Der Bär

Peter Wetzelsbergers selbstgezeichnete Identifikationsfigur: Gestatten, der Bär.

Comics, Karikaturen, Illustrationen: Für manche sind sie ein lustiger Zeitvertreib, ein bisschen zum Abschalten, zum Lachen, zum Entspannen. Für Peter Wetzelsberger sind sie mehr als das. “Schon als ich klein war, hab ich gemalt, um mich in eine andere Welt hinein zu beamen.” Raus habe er gewollt aus dem engeren Lieferinger Vorstadt-Leben und eingeschränktem Denken und Fühlen. “Mich hat das generell genervt: Eltern erzählen ihren Kindern was sie machen sollen, die machen das dann und fertig. Die Hierarchien festgelegt – kein Raum für Neues.”

Blaue Hunde mit zu Buchstaben geformten Schwänzen, die waren sein Lieblingsmotiv. Tag für Tag saß der kleine Peter an seinem Zeichenblock und konnte nicht aufhören, immer neue Ausführungen seiner hellblauen Helden zu malen. Eine Tätigkeit, die ihn bis heute begleitet. Heute, da ist Peter 31 – und arbeitsunfähig, so attestiert es der Medizinische Dienst des AMS. Auf die vorsichtige Frage “Warum” reagiert der junge Mann überraschend offen. “Mich wollte einfach keiner haben. Ich habe es bei vielen Arbeitgebern versucht und jeder hat mich weitergeschickt.”

In geschriebenen Lettern klingt das bitter – Peter erzählt es jedoch ganz sachlich. “Was willst du denn eigentlich machen, wenn du die Wahl hättest?”, fragte das AMS damals. Künstler sein, antwortete Peter. Und kann nun das von sich behaupten, was sich viele nur wünschen können: Er lebt seinen Traum.

Zu den blauen Hunden, die er übrigens “Spiegelmonster” taufte, gesellten sich “Matt, the Dog”, die sogenannten “Schulterratten” und – aktuell beliebtes Motiv – ein Bär. Diesen Bären steckt er wahlweise in Polizei-, Bauarbeiter- oder Elviskostüm – und identifiziert sich nicht zuletzt selbst mit ihm.

Malen, Musik machen, war’s das? Beileibe nein. “Ironischerweise bin ich der totale Workaholic”, sagt Peter. Er ist keiner, der laut lacht, wenn er etwas Lustiges sagt. Er bedient sich eher differenzierter Untertöne, die vermuten lassen, wie er das wohl eben gemeint haben könnte. So ähnlich hält er es mit seinen Comics. “Es sind oft Scherze verpackt, witzige Charikaturen, die einen etwas tieferen Sinn haben. Es ist leichter, die Leute zum lauthalsen Lachen als zum Schmunzeln zu bringen.”
Ein Beispiel für einen solchen “Schmunzel-Witz”: Trifft ein gefallener Engel auf seine Kollegen und muss ihnen erklären, wieso er denn gefallen ist. Er erklärt ihnen: “Petrus hat das Geschenk nicht gefallen, das ich ihm geschenkt habe.” Das Geschenk: Ein T-Shirt mit der Aufschrift “Security”. “Ich habe den Eindruck, das Christentum sieht Petrus gerne als Türsteher, der nur die in den Himmel lässt, die sich zum christlichen Glauben bekannt haben. Das wollte ich darin verarbeiten.”
Was Peter sonst noch so treibt: Bücher schreiben. Und zwar so genannte “Anthologien”, also gemeinsam mit anderen Autoren einen Band an verschiedenen Kurztexten. Dafür hat der Salzburger sogar ein eigenes Kunstkollektiv mitbegründet: Den “bureau de grand mot”, “Amt des großen Wortes”. “Ein eigentlich ironisch gemeinter Titel, den jetzt aber viele wörtlich nehmen”, so Peter.

Der Bär spielt zudem Theater, synchronisiert Filme, singt in einer Band, ist Filmdarsteller und produziert Musiksendungen. Warum ihn da nicht schon die ganze Welt, oder zumindest Österreich kennt? Meistens handelt es sich eher um regionale oder studentische Projekte, um die Initiativen freier Künstler, die nicht die große Leinwand sondern ihre persönliche künstlerische Entfaltung anstreben – die sogenannte “Underground Szene”.

So ein Künstler hat es in der Welt manchmal nicht leicht. Peter hat einen Therapeuten – und schreibt auf Facebook über seine therapeutische Betreuung. “Ich will ein ehrlicher Künstler sein. Ich sehe Tabus nicht so eng und finde: Es darf ruhig jeder alles über mich wissen. Ich habe ja nichts zu verstecken.” Ein Schlusssatz, der zum Nachdenken anregt.

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