“Es herrscht Goldgräberstimmung”

Steht wie kaum jemand anders für die Start-Up-Szene und für modernes Connecten: Romy Sigl.

Steht wie kaum sonst wer für die Start-Up-Szene und für modernes Connecten: Romy Sigl. ©Romy Sigl; Coworking Space

Ein riesiges Poster von ihrem Gesicht hängt an der Fachhochschule Salzburg. Sie gilt als eine der Gründerinnen der Salzburger Start-Up-Szene: Romy Sigl im Interview.

Stories of Salzburg: Romy, was hat sich in den letzten zehn Jahren in der Arbeitswelt getan?

Romy Sigl: Also, das war dann quasi von 2005 bis jetzt. 2005 habe ich studiert, war im letzten Semester. Start-Ups waren da noch gar kein Thema. Also dass jemand einfach aus dem eigenen PC heraus mit einer wirren Geschäftsidee eine Firma gründet – das hätte sich da kaum wer vorstellen können. Es gab kein Facebook, es gab kein StudiVZ – die Leute waren einfach nicht so vernetzt wie jetzt. Auch die Forschungswelt hat sich durch die sozialen Medien verändert.

Stories of Salzburg: Du hast Produktmanagement an der FH Salzburg studiert. Was hat sich denn auf dem Produkt-Sektor getan?

Romy Sigl: Die Vernetztheit der Menschen schlägt sich auf alle Sparten der Wirtschaft nieder. Auch was Produkte angeht, hat sich die Welt verändert. Manche Produkte, die man entwickeln möchte, gibt es schon und das erkennt man erst durch dieses Netz. Im selben Moment können durch die vielen Inspirationen jedoch wieder ganz neue Ideen entstehen. Die Arbeitsweise hat sich hier einfach verändert, man spricht miteinander und  Kooperationen ergeben sich da, wo sich Leute ohne Internet kaum hätten kennen lernen können.

Stories of Salzburg: Stichwort Kommunikation – wenn Unternehmen mit Kunden kommunizieren, kann das auch sehr nervig sein, insbesondere durch unerwünschte Werbung. Das ist im Internet doch jetzt auch nicht gerade weniger nervig geworden.

Romy Sigl: Allein der Kanal Internet heißt natürlich nicht, dass Werbung attraktiver wird. Doch über klassische Werbung hinaus haben Unternehmen über das Internet auch die Chance, direkt mit ihren Kunden zu kommunizieren. Wenn er schlau ist, wird ein Unternehmer nicht versuchen, sein Produkt den Leuten nachzuschmeißen – stattdessen wird er mit ihnen reden, sie nach ihren Wünschen fragen, ihr Feedback ernst nehmen.

Stories of Salzburg: Das Coworking Space, das du in Salzburg gegründet hast, vertritt einen großen Slogan: “Do what you love”. Provokant gefragt: Soll jetzt jeder ein Start-Up gründen?

Romy Sigl: Nein, jeder wird ja gar nicht die Idee zu einem Start-Up haben. Da braucht es schon eine Vision, irgendetwas, hinter dem man steht und das man unter die Leute bringen möchte. Allein die Geldgier hat noch keinen erfolgreich gemacht, denke ich. Aber klar, Jungs wie die von Runtastic machen schon Mut, die ihre App quasi im Wohnzimmer programmiert und schließlich für 200 Millionen an Adidas verkauft haben. Soviel Wert zu erschaffen, das löst auch bei anderen Goldgräberstimmung aus.

Stories of Salzburg: Goldgräberstimmung in einer Zeit, in der uns die Medien ständig Meldungen von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrisen um die Ohren hauen?

Romy Sigl: Jede Krise eröffnet neue Chancen für etwas anderes. Die Situation zeigt ja nur, dass das bisherige System nicht mehr funktioniert. Es wird abgelöst durch ein anderes. Die innovativen Köpfe und Start-Up-Gründer sind meiner Meinung nach Teil dieser neuen Bewegung, die sich aus der Krise hinaus bewegt. Wie auch schon Schumpeter, ein Ökonom aus Wien, zur Jahrhundertwende sagte: Zerstörung bringt immer etwas Neues. Das Hier und Jetzt bietet eine super Gelegenheit, etwas Neues auszuprobieren.

Stories of Salzburg: Quasi ein Remake des guten alten “american dream”, vom Tellerwäscher zum Millionär?

Romy Sigl: Nicht ganz, ich glaube heutzutage geht es noch viel mehr darum, den richtigen Lifestyle zu finden und das, was man wirklich gerne tut, zu seinem Beruf zu machen. Wenn sich jemand von dem ernähren kann, was er liebt, und jeden Tag gerne zur Arbeit geht, dann reicht das doch vollkommen. Es muss keiner reich werden, um erfolgreich mit seiner Unternehmung und seinem Leben zu sein. Wir müssen nicht alle Zuckerbergs werden.

Stories of Salzburg: Was, wenn ich keine super Start-Up-Idee habe, aber doch gerne auf dieser innovativen Welle reiten möchte?

Romy Sigl: Ganz einfach: bei einem Start-Up anheuern! Da mitzumachen kann sehr inspirierend sein. Die Strukturen sind noch nicht in Stein gemeißelt, wie das bei großen und alteingesessenen Betrieben oft der Fall ist, und man ist live dabei, wenn sich ein neues Unternehmen entwickelt. Wahnsinnig spannend!
Das Coworking-Space Salzburg hat 150 Mitglieder, 35 davon arbeiten auch tatsächlich tagtäglich im Coworking-Gebäude in Itzling. Der Mitgliedschaftsbeitrag, der 175 Euro im Jahr beträgt, verschafft den “Coworkern” Zutritt zu Kursen und anderen Veranstaltungen, die für junge (Start-Up-)Unternehmer nützlich sind. Weiteres unter coworkingsalzburg.com.

 

 

 

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