Wenn zwei eine Zeitschrift gründen

IMG_0751

Sarah und Josef, so heißen die zwei, die mit dem “mosaik” auch den bislang unveröffentlichten Autoren eine Stimme geben wollen.

Weil es junge Schriftsteller mit der ersten Veröffentlichung nicht immer leicht haben, beschlossen Sarah Oswald und Josef Kirchner einfach eine eigene Plattform zu entwerfen: Das “mosaik”. Hier darf schreiben und veröffentlichen, wer möchte. 

„Literatur steht nicht nur auf einem Sockel, um von unten bewundert zu werden. Bei Literatur kann man mitmachen!“ Davon sind Sarah Oswald und Josef Kirchner, beide 25, zutiefst überzeugt. Weil sie nicht mehr damit leben wollten, dass „gute Texte nicht veröffentlicht werden und schlechte schon, nur weil ein anderer Name dahinter steht“, schufen sie 2011 ganz einfach ihre eigene Plattform: Die Zeitschrift „mosaik“. Damals noch mit Alexander Macho (das „ch“ wohlgemerkt deutsch gesprochen), der das Team nach einem Jahr aufgrund von Differenzen verließ.

Von Anfang an hatte das mosaik ein Ziel und eine Besonderheit: Wirklich jeder kann in ihr seine Texte veröffentlichen. „Damit wollen wir gerade jungen Schriftstellern und Künstlern die Möglichkeit geben, etwas zu publizieren“, erklärt Kirchner. Und mit einem fröhlichen Grinsen fügt Oswald hinzu: „Ich finde es einfach so schön, wenn jemand zum ersten Mal den Mut hat, über das zu schreiben, was ihn bewegt, und das beschließt, öffentlich mitzuteilen. Das sind immer wieder ganz besondere Texte.“ Was findet sich nun also in einer Zeitschrift wie dem mosaik? Gedichte und Kurzgeschichten, Gedanken zu Gott und der Welt und ein kunterbuntes Wirrwarr an literarischen Ergüssen.

Eine Frage drängt sich jedoch auf: Wenn wirklich jeder Text genommen wird – was ist, wenn er den beiden Chefredakteuren nicht gefällt? „Das darf nicht entscheidend sein. Wir sind schließlich nicht das Maß aller Dinge, wir können nicht entscheiden, was gut oder schlecht ist – wir möchten junge Literaten ganz einfach fördern“, erklärt Oswald. Rassistische, pornografische und gewalttätige Inhalte fällt bei ihnen trotzdem durch das Raster. Wobei es da einen Text gab, der beide auf die Probe stellte.

„Er hieß ‚Um eine Orgamuslänge’ und fand zum Teil auf dem Klo statt. Wir haben damals zu dritt abgestimmt, ob wir das drucken sollen.“ Sie entschieden sich dafür. Gleich am nächsten Tag ein begeisterter Anruf: Die Zeitschrift sei toll gelungen, ganz besonders dieser eine Artikel! „Da haben wir uns gedacht, wunderbar! Einem hat es gefallen, damit haben wir unser Ziel schon erreicht.“

Das mosaik ist ein echter Zeitfresser: Tage und Nächte sitzt das Paar beisammen, um gemeinsam die Texte durchzugehen, das nächste Layout durchzuplanen oder neue Veranstaltungen zu koordinieren. Davon gibt es reichlich – schließlich sollen junge Erstveröffentlicher nicht nur schreiben, sondern auch vor Publikum lesen lernen. All die Projekte nähren sich von Lust, Liebe und Fördergeldern von Stadt und Land sowie der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) – diese übernehmen rein die Druckkosten der 1.000 gedruckten Zeitschriften pro Ausgabe.

Auch online ist das mosaik mit einem eigenen Blog gut vertreten. Finanziellen Profit schlagen Oswald und Kirchner, die übrigens beide aus Tirol („aber aus verschiedenen Eckchren“) stammen, aus dem Ganzen keinen. Im Künstlerhaus an der Salzach bezogen sie gemeinsam mit der Salzburger Kunstvereinigung „Bureau du Grand Mot“ einen eigenen Raum, in dem tagsüber getüftelt und gefeilt, abends gemeinsam Wein und Bier getrunken wird. Und natürlich: Gelesen.

Hier ist das mosaik im Web zuhause.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s